Beobachtungsvorbereitung

An was muss vor der Beobachtung gedacht werden?

 

Wenn sich kurzentschlossen eine gute Gelegenheit zur Beobachtung ergibt, sollte alles bereit stehen, damit es gleich losgehen kann. Ein paar Dinge können vorher geprüft und vorbereitet werden:

Beobachtungsplatz

Astronomie ist ein Outdoor-Hobby

Eine Beobachtungsnacht kann leider nicht von der Wohnung aus stattfinden. Obwohl die Vorstellung verlockend wäre, vom warmen Zimmer nach draußen zu blicken, lautet die Realität: Astronomie ist ein Outdoor-Hobby.

Der Blick durch die Fensterscheibe führt zu Doppelbildern und Verzerrungen, denn die Doppelverglasung und die Glasverarbeitung entspricht nicht den astronomischen Erfordernissen und der Präzision eines Teleskops. Bei geöffnetem Fenster wird eine Luftturbulenz durch den Temperaturunterschied erzeugt. Dies macht sich als Bildwabern (Seeing) bemerkbar.

 

Raus fahren oder von zu Hause beobachten?

Die besten Beobachtungsbedingungen liegen also unter freiem Himmel vor. Auch die bessere Rundum-Sicht ist im Vergleich zur Wohnung von Vorteil. Die Standortwahl für das Teleskop ist von entscheidender Bedeutung für das Beobachtungsergebnis und letztendlich für den Spaß an der Astronomie. Der Beobachtungsplatz sollte möglichst dunkel und fernab von künstlichen Lichtquellen liegen, da ansonten aufgrund des schwachen Kontrastes zu Himmelshintergrund nicht viel erkannt werden kann. Leider ist dies oft erst weit entfernt vom Wohnort gegeben, so dass eventuell eine längere Wegstrecke zurückgelegt werden muss. Der Aufwand zur An- und Abreise, sowie die Zeit für den Auf- und Abbau des Teleskops sollte auf jeden Fall bei der Standortwahl berücksichtigt werden.

Auch die Erlaubnis zur Nutzung muss vorhanden sein. Nicht alle zugänglichen Flächen sind öffentlich nutzbar. Scheinbar geeignete Flächen, wie beispielsweise Äcker oder Felder dürfen nicht ohne Einverständnis des Besitzers betreten werden. Ist eine geeignete Fläche vorhanden, sollte auch auf den angemessenen Abstand zu Wohnhäusern geachtet werden. Eventuell könnten sich die Bewohner beim Aufbau von Beobachtungsinstrumenten vor den Fenstern gestört fühlen. Ein ausreichender Abstand ist aber auch durch die störende Wärmestrahlung und Beleuchtung der Gebäude von Vorteil. Bei der Standortsuche kann sicherlich auch ein Astronomieverein behilflich sein und kann Kontakt zu einer Gruppe zur gemeinsamen Beobachtung herstellen.

Beobachtung von Terasse und Balkon


Beobachtungen können natürlich auch von der Terasse oder vom Balkon aus durchgeführt werden, nur ist dies keine ideale Voraussetzung. Oft bleibt aufgrund der gegebenen Situation jedoch keine andere Möglichkeit, als von zu Hause aus zu beobachten. Durch die Beleuchtung von Wohngebieten kann keine ausreichende Dunkeladaption stattfinden. Ein dunkles Tuch über dem Kopf bei der Beobachtung kann eventuell hilfreich sein. Die Nähe zur Wohnung ist jedoch auch vorteilhaft, wenn eine Aufwärmpause für den Beobachter notwendig ist, Zubehör geholt oder auch mal eine Toilette aufgesucht werden muss. Nach der Beobachtung ist die Ausrüstung schnell aufgeräumt und es bleibt so mehr Zeit am Teleskop.

Ein geeigneter Aufstellungsort für das Teleskop sollte folgende Kriterien erfüllen:

- dunkler Standort

- schnell erreichbar

- gute Rundumsicht

- Nutzungserlaubnis vorhanden



Beobachtungsplan

Was soll beobachtet werden?

Es wäre doch schade, wenn die relativ knappe Zeit am Teleskop mangels Beobachtungsplan und Kenntnis des Beobachtungsgebietes nicht genutzt wird und immer die selben Objekte beobachtet werden.

Trotz vieler Anregungen aus Büchern oder dem Internet, welche Objekte für die Beobachtung interessant sein könnten - ohne Plan könnte der Kopf am Teleskop plötzlich leer sein. Und ohne Aufsuchkarte endet die Suche nach der Wunschgalaxie wahrscheinlich in einer ziellosen Fahrt über den Himmel und die Nacht wird erfolglos beendet.


Beobachtungsliste anlegen


Mindestens einen Tag vor der geplanten Beobachtung ist eine Liste mit Beobachtungsobjekten anzulegen. Diese sollte aus den Objekten bestehen, die realistisch in der zur Verfügung stehenden Zeit beobachtet werden können. Pro Objekt ist mit Aufsuchen und Beobachten etwa eine halbe Stunde Zeit einzuplanen. Vielleicht sogar etwas mehr, wenn die Dokumentation in Form von Notizen oder einer kleinen Zeichnung dazu kommen.

Bei der Planung hilft ein Planetariumsprogramm oder eine Sternenkarte, um den sichtbaren Himmelsbereich kennen zu lernen und die beobachtbaren Objekte herauszusuchen. Dabei ist auch auf die Leistung des verfügbaren Teleskopes und den Beobachtungsbedingungen vor Ort zu achten.

Auch astronomische Planungstools für den Computer können bei der Beobachtungsplanung helfen. In dem verlinkten Downloadbereich ist unter anderem die Software Eye & Telescope aufgeführt. Diese erlaubt die Planung anhand der sichtbaren Objekte und kann zunächst als Demoversion getestet werden.



Ausrüstung prüfen

Sind alle Geräte für die Beobachtung in Ordnung?

Kurz vor Beobachtungsbeginn ist eine Prüfung der technischen Ausstattung sinnvoll. Insbesondere nach einer längeren Beobachtungspause können sich Stromspeicher zu einem Teil selbst entladen haben.

Je nach Typ des Akkus können einige Wochen Lagerung bereits einen erheblichen Spannungsverlust bedeuten. Auch wenn nach der letzten Beobachtung alle Geräte nachgeladen wurden, ist eventuell ein zwischenzeitliches Auffrischen notwendig. Nichts wäre ärgerlicher, wenn nach einer langen Vorbereitungsphase schließlich ein wichtiger Teil der Ausrüstung versagt.


Einsatzbereitschaft prüfen


Die vorhandenen Geräte mit einer elektrischen Stromquelle sind auf Ladezustand und Funktion zu prüfen. Sofern vorhanden, können dies beispielsweise ein Rotlicht als Stirnlampe, ein Nachführmotor, eine DSLR-Kamera, ein Telrad-Sucher oder andere Teleskopteile mit einer Energiequelle sein.

Der allgemeine Zustand der Ausrüstung sollte nach jeder Beobachtung geprüft werden, um die Instrumente wieder für den nächsten Einsatz vorzubereiten. Hierzu ist auch eine Kontrolle der optischen Ausrüstungsteile angebracht. Eine Reinigung könnte eventuell notwendig sein, falls nach der letzten Verwendung relevante Verschmutzungen entstanden sind.





Reinigung

Optiken säubern

Weniger ist mehr: Wie oft muss wirklich gereinigt werden? Weniger ist mehr: Wie oft muss wirklich gereinigt werden? Die astronomische Ausrüstung benötigt gelegentlich etwas Pflege und Aufmerksamkeit. Die Glaslinsen von Okularen können durch Staub, Blütenpollen oder Fett von Fingern und Wimpern verschmutzen. Sogar der Hauptspiegel eines Teleskops kann bei offenen Systemen, wie einem Newton-Reflektor, im Laufe der Jahre einen Teil seiner Reflektionsfähigkeit verlieren. Auch die Frontlinse von Refraktorteleskopen kann nach einiger Zeit verstaubt sein.

Jede Reinigung ist allerdings auch eine Belastung für die Optik, denn die mechanische Berührung greift einen kleinen Teil der Vergütungsschicht an und kann kleine Kratzer auf der Oberfläche hinterlassen. Je weniger also gereinigt wird, desto besser: Ein generell pfleglicher Umgang mit dem Teleskop und den Okularen macht eine Reinigung oft gar nicht erst erforderlich und kann die Reinigungszyklen erheblich verlängern.

Es ist auch nicht notwendig, jedes Staubkorn und jeden Fleck akribisch zu entfernen. Eine allzu gründliche Reinigung schadet oft mehr, als das sie nützt. Bei der Okularnutzung fallen geringe Mengen Staub nicht auf. Ein Staubkorn auf der Linse liegt weit ab vom Fokus und verliert sich in der Unschärfe. Die Minderung des Lichteinfalls ist nicht messbar, ein hereingeriebener Kratzer auf der Linse würde das Okular jedoch stark beschädigen.

Fettablagerungen oder Blütenpollen sollten jedoch bald entfernt werden, da Fette langfristig die Vergütung angreifen und Blütenpollen hartnäckige Rückstände hinterlassen können.

Verschmutzungen vermeiden


Die beste und schonendste Methode zur Optikpflege ist die Vermeidung von Verschmutzungen. Hierzu gehört der allgemein vorsichtige Umgang mit den optischen Komponenten. Glasflächen dürfen nicht mit den Fingern berührt oder mit dem Mund abgeblasen werden. Die zugehörigen Abdeckkappen schützen vor Verschmutzungen, solange die Ausrüstungsteile nicht benutzt werden.
Ein zeitweise nicht benutztes Okular kann auf der Ablagefläche des Teleskops besser mit augenseitiger Abdeckkappe abgestellt werden und Filter gehören bei Nichtbenutzung wieder in die Aufbewahrungsdose. Auch der Wetterbericht kann hilfreich sein: Nächte mit besonders intensiver Pollenflugvorhersage im Frühjahr sollten lieber vermieden werden.

Taubeschlag


Tau auf einer GlasplatteTau auf einer GlasplatteIn kalten Nächten, besonders im feuchten Herbst, kommt es schnell zum Taubeschlag auf Glaslinsen, Suchern oder gelegentlich auch dem Fangspiegel von Newton-Teleskopen. Die kondensierte Feuchtigkeit aber nicht einfach abwischen: Das sorgt im schlimmsten Fall für Kratzer und nicht für besseren Durchblick. Hier hilft nur ein Abtrocknen in warmer Umgebung. Zur Vermeidung von Taubeschlag ist auch hier die Abdeckkappe erst bei der Nutzung von Okularen abzunehmen. Ein leichter Taubeschlag kann durch Wärmezufuhr wieder verdampfen. Dies kann bei Okularen eventuell durch die eigene Körperwärme erreicht werden, indem mit den Händen eine Höhle um die Linse gebildet wird, ohne diese zu berühren. Für das Teleskop und andere Zubehörteile sind auch Tauschutzkappen und sogar elektrisch betriebene Heizmanschetten erhältlich, die auch für Okulare verwendet werden können und keinen negativen Einfluss auf die Luftruhe haben.

Nach der Beobachtung sollten die Abdeckungen auf den taufrei gebliebenen Ausrüstungsteilen noch mindestens eine halbe Stunde belassen werden, bis die Temperaturanpassung in der Wohnung nahezu abgeschlossen ist. Auf den kalten Oberflächen kommt es sonst wieder zu einer Kondensation der Feuchtigkeit in der warmen Raumluft. Nach der Anpassungszeit sollten die Okulare und das Teleskop noch einmal kontrolliert werden. Vorhandener Taubeschlag muss unbedingt gut abtrocknen, bevor die Instrumente wieder eingelagert werden. Dies geschieht bei Raumtemperatur von allein und nahezu rückstandslos. Auch hier darf das beschlagene Okular nicht abgewischt werden.

Wie kann gereinigt werden?


Wattestäbchen können ebenfalls für die Reinigung geeignet seinWattestäbchen können ebenfalls für die Reinigung geeignet seinDie Reinigung von Okularen beginnt mit dem Abblasen der losen Staubteilchen. Hierzu wird ein Hand-Blasebalg aus dem Fotozubehörhandel verwendet. Den übrigen Schmutz nur feucht entfernen: Als Reinigungsflüssigkeit ist Isopropanol zu empfehlen, welches in der Apotheke günstig zu bekommen ist. Ein Optiktuch oder wahlweise auch ein Wattestäbchen wird mit Isopropanol angefeuchtet. Die Linsenoberfläche vorsichtig abtupfen, um verbliebene Partikel abzuheben und anschließend mit einer unbenutzten Stelle ohne Druck abwischen. Dabei nicht zuviel Flüssigkeit verwenden, da diese sonst in Zwischenräume kriechen könnte. Mit destilliertem Wasser kann eventuell noch einmal nachgewischt werden, um Schlieren zu entfernen.

Da der Anwender für die Ausführung selbst verantwortlich ist, sollte der Reinigungsvorgang nur mit genügend Ruhe und Vorsicht begonnen werden. Bei Filtern sollte zur Sicherheit auf den Einsatz von Flüssigkeiten verzichtet und eventuell vorhandene Hinweise des Herstellers beachtet werden. Hier muss der Einsatz des Blasebalgs oder eventuell eines feinen, antistatischen Objektivpinsels genügen.

Der Hauptspiegel eines Teleskops mit offener Bauweise muss zur Reinigung ausgebaut werden, dies ist jedoch auch bei häufiger Beobachtung nur sehr selten erforderlich. In dem Artikel zur Spiegelreinigung von Thomas Eversberg und Klaus Vollmann ist der Reinigungsvorgang ausführlich beschrieben.





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